Nicole Beeler
Therapeutic Area Lead Oncology
Brustkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen in der Schweiz: Jedes Jahr erhalten rund 6’600 Frauen und etwa 50 Männer die Diagnose, über 1’400 sterben daran.1,2,3 Ein Ineinandergreifen von qualitativer Früherkennung und wirksamen Therapien ist daher entscheidend. Trotz diesen Zahlen sind organisierte Screening-Programme noch nicht in allen Kantonen verfügbar. In der Schweiz führt somit der Wohnort noch immer zu einer Ungleichbehandlung der Frauen. Im Brustkrebsmonat Oktober möchten wir verstärktes Bewusstsein schaffen und Wissen teilen, um die Lebensqualität von Patient:innen zu verbessern.
Die Awareness-Kampagne «Leben mit Metastasen» beschäftigt sich mit den zwei Seiten einer Wahrheit: dem medizinischen Befund – und den Persönlichkeiten der Menschen dahinter.
Patient:innen eine Stimme geben – gemeinsam Lebensqualität verbessern
«Ich bin die, die mutig auf ihr Herz vertraut», sagt Anna F., die ihre Geschichte in der Kampagne «Metastasierter Brustkrebs» teilt. Sie steht stellvertretend für viele Frauen, die trotz schwerer Diagnose mit Stärke und Zuversicht ihren Weg gehen.
Bei AstraZeneca arbeiten wir mit Patient:innenorganisationen wie dem Verein Metastasierter Brustkrebs Schweiz zusammen, um ihre Perspektiven in unsere tägliche Arbeit einzubeziehen. Denn nur wenn wir ihre Bedürfnisse verstehen, können wir eine optimale Versorgung erzielen.
Die Kampagne «Ich bin die, die lebt» macht sichtbar, wie wichtig es ist, die Stimmen von Betroffenen zu hören. Denn metastasierter Brustkrebs ist nach wie vor stigmatisiert, weil er als unheilbar gilt, eine schlechte Prognose und eine eingeschränkte Lebenserwartung hat. Zusätzlich geht er auch mit einer enormen psychischen, finanziellen und körperlichen Belastung einher. Betroffene ziehen sich sozial zurück, was zu Isolation und Missverständnissen führen kann.
Ein Blick hinter die Kulissen der Produktion der Kampagne «Leben mit Metastasen».
Früherkennung und Aufklärung können Leben retten
Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto grösser sind in der Regel die Heilungschancen und umso geringer ist die Belastung durch Therapien.
In der Schweiz gibt es bislang kein nationales, flächendeckendes Screening-Programm. 15 Kantone bieten ein organisiertes Mammographie-Screening, weitere planen es. In grossen Regionen – darunter Zürich und Teile der Zentralschweiz – fehlt ein solches Angebot jedoch. Immerhin wurden in den Kantonen Zürich und Uri vor Kurzem politische Vorstösse eingereicht, die Screenings fordern.
Diese kantonale Vielfalt geht mit Unterschieden in der Versorgung einher. Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2024 hält fest, dass in Regionen ohne strukturierte Vorsorgeprogramme grössere Tumore und mehr Metastasen diagnostiziert werden.4 Unabhängig von vorhandenen Programmen nehmen aber nur etwa die Hälfte der Frauen zwischen 50 und 74 Jahren das Angebot zur Brustkrebsvorsorge in Anspruch.5
Der PINK CUBE, eine Initiative von Krebsliga und Europa Donna sowie verschiedener Stakeholder verfolgt das gemeinsame Ziel, Brustkrebs zu bekämpfen. Fotografin: Sina Minor
Fundierte Information und Aufklärung, um Missverständnise zu beseitigen
Damit ein möglichst grosser Teil der Bevölkerungerreicht wird, braucht es Information, Sichtbarkeit und Mut, über Brustkrebs zu sprechen. Genau dafür steht die Initiative «Pink Cube – Test your Breast», welche die Krebsliga, Europa Donna Schweiz, AstraZeneca und weitere Partner:innen vereint, mit dem gemeinsamen Ziel, Brustkrebs zu bekämpfen.
Eine verbesserte Wissensvermittlung kann Frauen – aber auch Männer – befähigen, den Nutzen der Früherkennung zu verstehen und informierte Entscheidungen zu treffen. Denn noch immer kursieren Mythen und Irrtümer rund um Brustkrebs – etwa, dass ohne familiäre Vorbelastung kein Risiko besteht oder dass Mammographien gefährlich sind, was sich als unwahr erwiesen hat.
Deshalb setzt AstraZeneca auf wissenschaftlich fundierte Information und Dialog, um Missverständnisse zu beseitigen und das Vertrauen in Prävention zu stärken.
Wir engagieren uns ganzheitlich – von innovativen Therapien über Prävention und Früherkennung bis hin zu rechtzeitiger Behandlung. Mit diesem Ansatz verfolgt AstraZeneca eine klare Ambition: Krebs als Todesursache zu eliminieren – und die Lebensqualität von Patient:innen nachhaltig zu verbessern.
Mammographie-Programme
In den Kantonen mit Programmen wird die Mammographie von der Grundversicherung übernommen. Mehr dazu: Swiss Cancer Screening.
Brustkrebs in Zahlen
- Rund 6’650 Menschen erkranken schweizweit jährlich an Brustkrebs.3
- Rund 1’400 Menschen sterben in der Schweiz pro Jahr an Brustkrebs.3
- Etwa 25% aller Frauen sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre.
- Jede 8. Frau erhält in ihrem Leben die Diagnose Brustkrebs.6
- Acht von zehn Frauen sind beim Zeitpunkt ihrer Erkrankung über 50 Jahre alt.6
- Nur 5 - 10% aller Brustkrebserkrankungen bei Frauen sind auf genetische Veranlagung zurückzuführen.3
- Ein Brustkrebs-Screening wird ab dem 50. Lebensjahr alle zwei Jahre empfohlen.3
Interview mit Christina Christen, Präsidentin Europa Donna Schweiz
Christina Christen ist seit Mai 2023 ehrenamtlich Präsidentin von Europa Donna Schweiz und Gründerin von Tavola Rosa Zürich. Ein Treffpunkt, an dem sich an Brustkrebs erkrankte Frauen einmal im Monat ungezwungen treffen können.
«Früherkennung darf kein Privileg sein.»
Im Interview spricht Christina Christen über Aufklärung, Chancen und den Mut, über Brustkrebs zu sprechen.
Wie unterstützt Europa Donna Schweiz Betroffenen dabei, informierte Entscheidungen zu treffen, und an wen können sich Betroffene und Angehörige wenden?
Europa Donna Schweiz vernetzt betroffene Frauen und bietet ihnen die Möglichkeit, sich regelmässig auszutauschen. Wir setzen uns zudem dafür ein, dass alle Betroffenen in der Schweiz Zugang zu optimaler Früherkennung, Behandlung und Nachsorge bei Brustkrebs erhalten. Dazu gehören auch Initiativen wie der Pink Cube, der Informationen und Tastuntersuchungen direkt zu den Menschen bringt.
Wichtig ist uns zudem die Tavola Rosa – «Betroffene unterstützen Betroffene». Hier stehen Begleitung, Vermittlung und Hilfe zur Selbsthilfe im Zentrum. Leider nutzen in einigen Kantonen noch zu wenige Frauen dieses Angebot – darum sind Aufklärung und Sichtbarkeit so entscheidend.
Weshalb ist es so wichtig, mit dem Pink Cube zu den Menschen zu gehen?
Nur wer gut informiert ist, kann selbstbestimmt entscheiden. Der Pink Cube schafft Aufmerksamkeit, sensibilisiert, macht das Thema Brustkrebs greifbar und ermutigt dazu, offen darüber zu sprechen. Aufklärung ist schliesslich die Voraussetzung für politisches und gesellschaftliches Engagement. Gerade auch junge Frauen und Männern das Thema Brustkrebs näher zu bringen ist wichtig. 1/5 der Frauen sind bei der Diagnose unter 50 Jahren (ich selber war 39ig). Durch die Pink Cube Initiative können wir ihnen zeigen, wie sie sich besser selber kennenlernen können und die Partner sensibilisieren. Falls sie Veränderungen an der Brust ihrer Partnerin oder bei sich merken, sollte ein Arztbesuch folgen. Pro Jahr erhalten auch 60 Männer die Diagnose Brustkrebs.
Was möchten Sie Patient:innen vermitteln?
Vor allem: Du bist nicht allein – und eine Brustkrebsdiagnose ist kein Todesurteil. Heute gibt es sehr wirksame, innovative Behandlungsmöglichkeiten. Aber entscheidend ist, dass der Krebs früh erkannt wird – dann sind die Heilungschancen um ein Vielfaches höher.
Was konnten Sie bislang erreichen?
Wir haben bereits sechs Tavola Rosa-Gruppen in verschiedenen Regionen der Schweiz aufgebaut. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Motion im Kanton Zürich, die zeigt, dass das Thema Brustkrebs-Vorsorge auch im grössten Kanton der Schweiz auf der politischen Agenda angekommen ist.
Was möchten Sie in Zukunft verändern?
Das flächendeckende Screening-Programm ist unser zentrales Anliegen, damit alle Frauen – unabhängig von Wohnort oder Einkommen – dieselben Rechte und Chancen haben. In jedem Kanton eine Tavola Rosa anbieten zu können, wäre fantastisch. Zudem setzen wir uns dafür ein, die Unterstützung der Angehörigen künftig stärker in den Fokus zu rücken, da ihr Engagement oft nicht ausreichend gewürdigt wird.
Was braucht es, damit die Screening-Programme in der Schweiz flächendeckend implementiert werden?
Vor allem Aufklärung auf politischer Ebene. Der Bund muss Verantwortung übernehmen und gleiche Rechte für alle schaffen. Denn Früherkennung bedeutet nicht nur bessere Heilungschancen, sondern auch weniger belastende und kostspielige Therapien – das entlastet letztlich das gesamte Gesundheitswesen. (z.B. weniger kostspielige Psychotherapien, Betroffene sind wieder früher in der Wirtschaft zurück etc.).
Es gibt einige Mythen rund um Brustkrebs. Welchen häufigsten Irrtum würden Sie gerne ausräumen?
Ein Mythos, der sich hartnäckig hält, ist, dass eine Mammographie den Tumor «zerquetschen» und Metastasen verursachen könnte – das stimmt schlicht nicht. Ebenso falsch ist die Annahme, dass man einen Tumor immer spürt. Wenn er tastbar ist, ist es meist schon spät. Deshalb sind Prävention und regelmässige Früherkennung so wichtig. Mit einer Mammographie setze ich mich sehr hohen Strahlen aus. Auch dieser Mythos ist falsch. Jeder der einen längere Flugreise unternimmt, ist höheren Strahlungen ausgesetzt.
Thema:
Referenzen
Referenzen:
1. World Health Organisation. Global cancer burden growing, amidst mounting need for services. Available at: https://www.who.int/news/item/01-02-2024-global-cancer-burden-growing--amidst-mounting-need-for-services. Accessed May 2025.
2.Bray F, Laversanne M, Sung H, et al., Global cancer statistics 2022: GLOBOCAN estimates of incidence and mortality worldwide for 36 cancers in 185 countries. CA: a cancer journal for clinicians. 2024 May;74(3):229-63
3. Krebsliga (zuletzt abgerufen Oktober 2025: https://www.krebsliga.ch/medien/medienmitteilungen/brustkrebsmonat-welche-methoden-zur-frueherkennung-wirken)
4. Gutzeit et al. Breast cancer in Switzerland: a comparison between organized-screening versus opportunistic-screening cantons. ESMO Open, Volume 9, Issue 10, 2024, 103712, ISSN 2059-7029, https://lnkd.in/dx4Mk9jK.
5. Rathgeb S., Goldinger R, Muri I., 25.04.2025, Früherkennung bei Krebs: wichtig aber wenig genutzt. Taggesschau von 25.04.2025 Hauptausgabe. Schweizer Radio und Fernsehen. https://lnkd.in/dBGz9kZj
6. Donna Europa (zuletzt abgerufen Oktober 2025)